
Es gibt viele Möglichkeiten Pflanzen zu vermehren. Um ihre jeweilige Art am Besten zu erhalten und zu vermehren ist die Natur ist sehr erfinderisch. Deshalb habe ich Ihnen hier in Wort und Bild die Vermehrungsarten einmal aufgezeigt
Die Vermehrungsarten:
Vermehrung durch:
1. Samen
2. Sporen
3. Kopfstecklinge
4. Teilstecklinge
5. Stammschnittlinge
6. Blattstecklinge
7. Blattschnittlinge
8. Risslinge
9. Oberirdische Ausläufer
10. Wurzelausläufer
11. Teilung
12. Kindel
13. Invitrovermehrung
14. Veredeln a. Geißfuß b. Anplatten c. okulieren
15. Absenker
16. Abmoosen
17. Tochterzwiebel
18. Brutknollen
19. Bulbillen
1. Samen
Bei der Samenvermehrung unterscheiden wir zwischen Dunkelkeimer, Lichtkeimer und Frostkeimer
a. Dunkelkeimer.
Werden so hoch mit Erde abgedeckt, wie das Samenkorn dick ist. Dazu benutzt man in der Regel ein feines Sieb. Zusätzlich kann man die Aussaatschalen noch abdecken, dann bleibt die Feuchtigkeit konstanter in der Erde. Warm stellen.
b. Lichtkeimer
Werden nicht mit Erde abgedeckt. Aussaatschalen kann man mit Folie oder Glas abdecken. In der Regel schattig und warm stellen.
c. Frostkeimer
Benötigen nicht unbedingt Frost, sondern nur niedrige Temperaturen. Oft reicht eine große Temperaturdifferenz zwischen Tag- und Nachttemperaturen. Man kann Samen auch vorher in den Kühlschrank bei etwa +5°C eine zeitlang lagern und dann aussäen.
2. Sporen
Alle Farn und Moosarten bilden Sporen, diese sind erst einmal ungeschlechtlich.
Aus den Sporen bildet sich ein winzig kleines Herzblättchen, auf dem die beiden Geschlechtsorgane heranwachsen. Durch einen sich darüber legenden Tautropfen kann der Samen vom männlichen zum weiblichen Geschlechtsteil schwimmen. Erst jetzt entsteht der Samen aus dem die neue Pflanze heranwachsen kann. Sporen deckt man also nicht mit Erde ab, aber mit Folie oder Glas. Hier ist die Tropfenbildung am Glas gewollt . Ein öfteres Besprühen ist dringend notwendig, was das Gießen weitgehenst erspart.

Sporen beim Nestfarn - Asplenium nidus
3. Kopfstecklinge
Von vielen krautigen Pflanzen und Halbsträuchern (Geranien / Fuchsien etc.) kann man Kopfstecklinge machen. Dazu schneidet man die Triebspitze ab, wobei man bei gegenständigen Blättern (Fuchsie) zwei Blattpaare am Steckling lässt und bei einer Blattanordnung, wie wir sie bei Geranien vorfinden, etwa 3 Blätter. Man schneidet die Stecklinge schräg unter dem Blattknoten. Diese Stecklinge werden entweder in Aussaaterde oder in einem Gemisch aus Flusssand und Torf herangezogen. Die Verdunstung setzt man dadurch herab, dass man große Blätter einkürzt und die Stecklinge zumindest anfangs stark schattiert. Wichtig ist auch die Bodenwärme bei der Bewurzelung. Sie sollte etwa 24 Grad betragen.

Schneiden von Kopfstecklingen bei Fuchsien

Kopfsteckling bei Geranie links, Fuchsien rechts
4. Teilstecklinge
Es gibt viele Pflanzen bei denen man mit Teilstecklingen sehr gute Erfolge erzielt (z.B. beim herkömmlichen Gummibaum, Ficus elastica decora). Wenn der Kopfsteckling weggeschnitten ist, kann man ein nicht vorholztes Stammstück mit einem Blatt, kurz unter dem Blattknoten schräg abschneiden. Zwischen dem Stammstück und dem Blattstielende sitzt ein Auge, das dann austreibt. So erreicht man wesentlich mehr Nachkommen. Die Teilstecklinge brauchen aber immer wesentlich länger bis zur fertigen Pflanze, im Gegensatz zum Kopfsteckling.

Teilsteckling vom Hibiscus
5. Stammschnittlinge
Stammschnittlinge kann man bei einer Yucca sehr gut machen. Bei dieser Pflanze kann man alle drei vegetativen Vermehrungsarten anwenden. Beim Stammsteckling schneidet man mit einer Säge den Stamm in einzelne Stücke und legt diese so auf den Tisch, dass man nachher noch weiß, was oben und unten ist. Das untere Ende steckt man in einen Topf mit einem Gemisch aus Torf und Flusssand im Verhältnis 1:1. Dann legt man eine Folie über die Stecklinge und sorgt für einen warmen Fuß. Selbstverständlich benötigen die verholzten Stämme länger als ein krautiger Steckling.
6. Blattstecklinge
Bei Blattstecklingen, wie der Name schon sagt, wird nur das Blatt mit einem Stück des Blattstieles in ein Torf – Sand – Gemisch gesteckt. (Z.B. Usambaraveilchen , St. Paulia ionantha). Wie bei allen Stecklingen ist Bodenwärme gefragt und ein leichtes Übersprühen an einen schattigen Platz nötig.

Blattsteckling vom Usambaraveilchen - St. Paulia ionantha
7. Blattschnittlinge
Um Blattrisslinge oder Blattschnittlinge zu erhalten teilt man das Blatt in kleine Stücke. Dabei ist darauf zu achten, dass man das Blatt so zerreisst oder zerschneidet, dass eine Blattader mit der richtigen Seite im Torf – Sand – Gemisch steckt. Die Teilstücke werden aufrecht oder leicht schräg in das Substrat gesteckt.

Blattschnittlinge bei Begonia rex
8. Risslinge
Risslinge werden hauptsächlich bei der Vermehrung von Coniferen gemacht (z.B. Thuja occidentalis). Hier reißt man einfach einen kleinen Nebenzweig ab, der dann am unteren Ende einen „Bart“ hat, diesen steckt man im Frühjahr in ein Torf-Sand-Gemisch. Es dauert etwas länger, aber es ist ein sichere Methode Gehölze zu vermehren.

Rissling vom Chamaecyparis allumii
9. Oberirdische Ausläufer
Oberirdische Ausläufer haben wir z.B. bei Erdbeeren. Die Ausläufer werden erst abgetrennt, wenn diese Wurzeln haben und dann entweder direkt ausgepflanzt oder in kleine Töpfe getopft. Hierzu nimmt man normale Blumenerde.


Ausläufer bei Erdbeeren – Fragaria Cultivars und einer Nidularium Cultivars
10. Wurzelausläufer
Auf dem unten stehenden Bild sind die Wuzelausläufer noch ganz weiß, aber der Trieb der aus dem Boden wächst wird schnell grün. Die Pflanzen die sich so weiter vermehren können zur Plage werden, wenn sich wie beim Bambus diese Wurzelausläufer schnell verbreiten. Solche Pflanzen werden in Wurzelschutzfolie oder in Plastikgefäße gehalten, damit man die Ausbreitung unter Kontrolle hat.

Wurzelausläufer bei Carex panicea
11. Teilung
Durch Teilung werden in erster Linie alle Staudenarten vermehrt. Wo es möglich ist, reißt man die Pflanzen einfach in kleinere Teilstücke so auseinander, dass man neue kleinere Pflanzen mit Wurzel und Kraut erhält. Man kann sie aber auch mit dem Spaten oder dem Messer teilen. Die so gewonnenen Pflanzen pflanzt man entweder direkt aus oder in kleine Töpfe. Egal was ich umtopfe, der Topf sollte immer so klein als möglich sein, weil die Wurzel auch atmet und der kleine Topf schneller austrocknet. In zu großen Töpfen ersticken die Wurzeln, weil große Mengen Erde auch viel Wasser aufnehmen und die Wurzel nicht mehr atmen kann. Sie erstickt und fault.

Teilung von Festuca glauca
12. Kindel
Einige Pflanzen machen auch Kindel. Das heißt bei manchen Pflanzen sitzen diese auf dem Blatt (Kalanchoe ) und wenn sie groß genug sind fallen sie auf den Boden und ziehen dort problemlos Wurzeln.

Kalanchoe laetivirens mit sehr vielen Kindeln, die schon am Blatt Wurzeln bilden.
13. Invitrovermehrung
Dies ist keine für den Laien durchführbare Vermehrung. Sie wird angewandt, wenn man möglichst gleiche Pflanzen haben will. Im vollkommen sterilen Umfeld, werden einer Pflanze einzelne Zellen aus der Triebspitze entnommen. Im Reagenzglas wachsen diese Zellen zu gleichmäßigen Jungpflanzen heran. Jungpflanzenbetriebe verwenden diese sehr teure Methode zur Mutterpflanzengewinnung an.
14. Veredeln
Es gibt verschieden Arten wie man Pflanzen veredeln kann. Hier die drei Wichtigsten.
a. Geißfußpfropfen
b. Anplatten
c. Okulieren.
a. Bei Geißfußpropfen schneidet man einen spitzen Keil in einen dickeren Ast, dessen Ende man abgeschnitten hat. Das Edelholz schneidet man so, dass es genau in diesen Keil passt, dabei muss man darauf achten, dass das Kambium, also die Wasser führende Schicht, die direkt unter der Rinde liegt, auf den zwei Seiten genau aufeinander passt. Danach umwickelt man das Ganze sehr fest mit Bast und bestreiche die Wundstellen, sowohl am abgeschnittenen Astende, als auch um den Geißfuß mit Baumwachs.
b. Beim Anplatten hat man zwei gleichstarke Äste, die man beide schräg anschneidet. Nun muss man darauf achten die Wasser führende Schicht des am Baum befindlichen Astes genau auf dem des Edelholzes liegt. Danach umwickelt man die Stelle mit Bast und bestreiche sie rundherum mit Baumwachs. Diese Beiden geschilderten Vermehrungsarten führe ich Anfang März durch, wenn der Saft in den Gehölzen steigt.
c. Vor allem die Rosen und die Obstgehölze werden durch okulieren vermehrt. Da schneidet man in den Wurzelhals oder in einen Trieb eines Wildlings einen T-Schnitt, danach trennt man aus einem Edelreis ein Auge mit der dazugehörigen Rinde heraus und steckt dieses Rindenstück in den T-Schnitt, so dass die Wasser führenden Schichten genau aufeinander liegen. Dies wird im Juli/ August gemacht.
15. Absenker
Absenker macht man in der Regel bei Blütensträucher. Man nehme einen noch biegsamen, jungen Ast drücke den auf die Erde und fixiere ihn, mit einer selbst gebogenen Nadel aus starkem Draht am Boden, dann bringt man die Triebspitze, durch unterlegen eines Gegenstandes, wieder so in Stellung, dass sie leicht nach oben zeigt. Über die mit der Klammer am Boden fixierte Stelle, häufelt man jetzt Erde an und wartet bis der Zweig an dieser Stelle Wurzeln geschlagen hat. Dann trennt man den Zweig ab und setzt eine neue eintriebige Pflanze in die Erde. Danach entfernt man die Triebspitze, damit der Ast seitlich mit mehreren Trieben austreibt. Möchte ich ein Stamm ziehen, dann lässt man den Zweig wachsen und schneidet ihn erst in der gewünschten Höhe ab. Dadurch erhält man relativ schnell ein Bäumchen.
16. Abmoosen
Schöne Stämmchen und neue Pflanzen kann man auch durch abmoosen gewinnen. Dazu wickelt man um einen geraden, schönen, noch nicht so stark verholzten Trieb, ( am Besten einen einjähjrigen Zweig ) eine Moospackung. Dazu nimmt man Moos an dessen Wurzelgeflecht sich möglichst viel Erde befindet. Mit Draht befestige ich den Moosklumpen an dem unteren Ende des Triebes.
17.Tochterzwiebel
Hat man an allen Blumezwiebeln. Man trennt im Herbst die jungen Zwiebeln von der Alten ab und topft sie ein, oder überwintert sie trocken und kühl. Im Frühjahr pflanzt man diese in Töpfe und lässt sie wachsen. Im ersten Jahr entfernt man den kleinen Blütenansatz sobald man die Knospe sieht und lässt im Herbst die oberirdischen Teile zurücktrocknen. Dann hat man im Folgejahr eine erstklassige Blüte. Lässt man sie im Folgejahr schon direkt zur Blüte kommen, dann kann sich die Zwiebel nicht richtig entwickeln, weil sie zur Blütenbildung ihre ganze Kraft verbraucht.
18.Knollenteilung
Typische Vertreter der Knollenpflanzen sind Canna indica und Dahlia varabilis.
Hier kann man die Knollen beliebig teilen, man muss nur darauf achten, dass jede verbleibende Knolle auch ein Auge oder ein Spross hat, der wieder austreiben kann. Die Überwinterung erfolgt trocken, dunkel und kühl. Teilung im Januar / Februar.
19.Bulbillen
Bulbillen sind kleine in den Blattachsen heranwachsende Zwiebel. Dies findet man häufiger bei Lilien. Mit ihnen verfährt man ähnlich wie Tochterzwiebel.
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Ihr Harro Wilhelm








